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Praxistipp Elektronik: Quarze und Quarz-Oszillatoren
Präsentiert von ELEKTOR, dem Magazin für Elektronik und Computertechnik

Quarze gehören zu den unverzichtbaren Bauelementen der Elektronik. Hier werden in Kurzform die Grundlagen aus der Sicht des Praktikers umrissen.
 Während mit RC-Oszillatoren bei überlegtem Aufbau Frequenzstabilitäten in der Größenordnung von 0,1 % erzielt werden können, liegt der mit LC-Oszillatoren erreichbare Wert bei 0,01 %. Um höherkonstante Oszillatoren zu realisieren, greift die elektronische Schaltungstechnik zum Quarz. Verschiedene kristalline Materialien haben die Eigenschaft, bei mechanischer Verformung elektrische Felder zu erzeugen, und umgekehrt verformen sie sich, wenn sie elektrischen Feldern ausgesetzt sind. Diese physikalische Eigenschaft wird als "Piezo-elektrischer Effekt" bezeichnet. Als Folge dieses Effekts verformt sich ein Quarz periodisch, wenn er einem elektrischen Wechselfeld ausgesetzt wird. Die periodische Verformung ist am stärksten, wenn der Quarz mechanisch mit der Frequenz des Wechselfeldes in Resonanz ist. An die Stelle der elektromagnetischen Resonanz eines LC-Kreises tritt die elektromechanische Resonanz des Quarz-Kristalls. Die Resonanzfrequenz wird von den äußeren Abmessungen des Quarz-Kristalls bestimmt. Da Quarz-Kristalle mit hoher Präzision auf ein gewünschtes Maß geschliffen werden können und sie danach ihre Form nicht mehr verändern, lassen sich mit Quarzen hochkonstante Oszillatoren realisieren. Die Genauigkeit liegt innerhalb eines weiten Frequenzbereichs bei 10 ppm (parts per million), gleich bedeutend mit 0,001 %.

Ersatzschaltung

Das elektrische Verhalten eines Quarzes kann man durch eine äquivalente Schaltung beschreiben, die aus Grundelementen (Kondensatoren, Spulen, Widerständen) besteht. In Bild 1 ist die Ersatzschaltung dargestellt. Induktivität L hängt von den mechanischen Abmessungen des Kristall-Körpers ab, während Kapazität C ein Maß für seine Biegsamkeit ist. Die Energie-Verluste, die bei der Verformung entstehen, werden von Widerstand R repräsentiert. Kondensator C0 ist die Kapazität zwischen den außen am Kristall-Körper angebrachten Metall-Elektroden. Typisch für eine Quarz-Ersatzschaltung sind sehr hohe Werte von L und sehr niedrige Werte von C. Bei einem 200-kHz-Quarz, um ein Beispiel zu nennen, kann L = 27 H (Henry) sein, während C = 0,024 pF ist; typische Werte für die beiden übrigen Ersatz- Größen sind R = 2 kW und C0 = 9 pF. Die Ersatzschaltungs-Werte werden unter Anderem verwendet, wenn man das Verhalten von Quarz-Schaltungen mit Hilfe von Computer- Simulationen untersuchen möchte. Wegen des sehr großen Quotienten L/C (er lässt sich mit realen Spulen und Kondensatoren nicht erreichen) ist auch der Güte-Faktor Q des Quarzes sehr hoch. Quarze haben Güte-Faktoren von 100000 oder mehr, die Güte-Faktoren von konventionellen LC-Schwingkreisen liegen typischerweise bei einigen 100.
Bild 1. Elektrische Ersatzschaltung des Quarzes.

Quarze können in Serien- oder Parallel-Resonanz betrieben werden.
Auf der Serien-Resonanzfrequenz schwingend verhält sich ein Quarz wie die Serienschaltung einer Kapazität mit einer Induktivität. Die Quarz-Impedanz ist niedrig, sie hat ungefähr den Wert der Ersatz-Größe R. Wenn der Quarz auf der wenig höher liegenden Parallel-Resonanzfrequenz schwingt, verhält er sich wie die Parallelschaltung einer Kapazität mit einer Induktivität. Die Quarz-Impedanz erreicht bei dieser Frequenz ihr Maximum. Die Kristall-Körper sind entweder für die eine oder die andere Betriebsart optimal geschliffen. Außerdem kann man sie so schleifen, dass sie entweder auf ihrer Grundfrequenz oder auf einem "Oberton" optimal schwingen.

Quarz-Oszillatoren

Quarze können in praktisch allen LC-Oszillatorschaltungen eingesetzt werden, die aus der konventionellen Schaltungstechnik bekannt sind; sie ersetzen dort ganz oder teilweise die LC-Schwingkreise. Ein Beispiel ist der quarzgesteuerte Colpitts-Oszillator, bei dem der Quarz zusammen mit einem Kondensator an die Stelle der Induktivität L tritt. In dieser Schaltung arbeitet der Quarz in Parallel-Resonanz; die Quarz-Impedanz hat bei der Resonanzfrequenz ihr Maximum, sodass die Schaltung ein Ausgangssignal mit maximaler Amplitude liefert. Der Pierce-Oszillator, dessen Schaltung Bild 2 zeigt, ist ein Beispiel für einen Oszillator mit einem Quarz in Serien-Resonanz. Da der Quarz im Rückkopplungszweig liegt, erreicht das rückgekoppelte Signal ein Maximum, wenn die Quarz-Impedanz ihren minimalen Wert hat. Einstellbare oder veränderbare Bauelemente sind nicht vorhanden; die Oszillator-Frequenz hängt ausschließlich von den Quarz-Eigenschaften ab. Quarz-Oszillatoren liefern nicht nur präzise, hochkonstante Signale, sie sind unter den gebräuchlichen Schwingungserzeugern auch die schnellsten. Die moderne digitale Schaltungstechnik verlangt nach schnellen Takt-Generatoren mit Frequenzen, die unter vertretbarem Aufwand auf andere Weise kaum realisierbar wären.

Bild 2. Schaltung eines Pierce-Quarz-Oszillators.

Literatur: 300 Oszillatoren, Elektor-Verlag Aachen, ISBN 3-89576-053-6

Mehr Informationen auf der Elektor-Website www.elektor.de
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