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Praxistipp Elektronik: Blitz- und Überspannungsschutz
Präsentiert von ELEKTOR, dem Magazin für Elektronik und Computertechnik
Seit mehreren Jahren ist das EMV-Gesetz (Gesetz über die elektromagnetische
Verträglichkeit von elektrischen und elektronischen Geräten) gültig, das die Hersteller von
elektronischen Geräten verpflichtet, in ihren Produkten Maßnahmen zu treffen, die einen
ausreichenden Schutz vor Gewitterüberspannungen (leitungsgebundene Stoßspannungen)
bieten.
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Bild 1. Die Gefährdung hängt von der Blitzstärke (Stoßstrom) und von der Entfernung von
der Einschlagstelle ab.
((Alle Bilder aus Elektor 12/2002, S. 70ff))
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Folgende Produkte fallen ausdrücklich unter das EMV-Gesetz und sollten daher in jedem Fall
EMV-konform gestaltet sein:
- Rundfunkgeräte
- Fernsehgeräte
- Elektro-Haushaltsgeräte
- handgeführte Elektrowerkzeuge
- Leuchten
- Leuchtstofflampen
- Funkgeräte verschiedenster Art
- Industrieausrüstungen
- informationstechnische Geräte
- Telekommunikationsgeräte
Ausgenommen von der EMV-Regelung sind hingegen zum Beispiel Eigenbauten von
Amateurfunkgeräten, da hier ein einzigartiger Sonderstatus besteht. Amateurfunk ist
gesetzlich genau beschrieben und darf nicht mit (nicht lizenzpflichtigem) CB-Funk
verwechselt werden.
Überspannungs-Schutzmassnahmen
Vor der Planung von Überspannungsschutzmaßnahmen für elektronische Geräte sollte immer
festgelegt sein, welchen Beanspruchungen die zu schützende Elektronik standhalten soll.
Blitzeinschläge, die sich in der fernen Umgebung ereignen, verursachen geringere
Belastungen als direkte Blitzeinschläge oder Einschläge, die in nächster Nähe stattfinden und
zum Beispiel das Haus eines Nachbarn treffen. Besonders gefährdet sind Geräte, die nicht
weiter als etwa 100 Meter von der Einschlagstelle entfernt aufgestellt sind (Bild 1).
Wesentlich wahrscheinlicher als ein direkter oder naher Blitzeinschlag sind
Blitzferneinschläge, die sich im Abstand von einigen oder mehreren 100 Metern ereignen. Die
Grenzen eines Gebietes, in dem sich durch Blitzentladung gravierende Schäden ereignen
können, sind abhängig von den elektrischen Parametern, die das Himmelsfeuer mit sich
bringt. Zum Beispiel verursacht ein Blitz, dessen Stoßstrom den sehr hohen Maximalwert von
300.000 Ampere erreicht, eine wesentlich höhere Belastung und beeinflusst natürlich auch
eine weitere Umgebung als ein Miniaturblitz, der mit einem sehr geringen Stoßstrom von nur
3000 Ampere einschlägt. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, die Größe eines Gebietes,
das von den Auswirkungen einer Blitzentladung betroffen sein kann, genau anzugeben.
Da entfernte Blitzeinschläge zwangsläufig häufiger vorkommen als Blitznaheinschläge, ist
bereits sehr viel für den Schutz von älteren, nicht EMV-konformen elektronischen Geräten
getan, wenn ein Überspannungs-Schutzgerät zum Einsatz kommt, das den geringen
Belastungen eines fernen Blitzeinschlages standhält und die Elektronik vor Überspannungen
aus dem 230-V-Netz schützt (Bild 2).

Bild 2. Einfaches Überspannungs-Schutzgerät in Form eines Steckdosen-Adapters.
Ihren Zweck erfüllt eine solche Überspannungs-Schutzeinrichtung nur dann, wenn die Höhe
der Spannung, auf die das Schutzgerät begrenzt, niedriger ist als die maximale Spannung, die
das zu schützende Gerät verkraften kann. Die maximale Stoßspannung, mit der ein
elektronisches Gerät beaufschlagt werden kann, ist abhängig von der Spannungsfestigkeit. Bei
der Spannungsfestigkeit unterscheiden wir zwischen Quer- und Längsspannungsfestigkeit.
Die Querspannungsfestigkeit wird angegeben mit dem Maximalwert der Stoßspannung, die
ein Gerät nicht beschädigt, wenn sie 20 Mikrosekunden, zum Beispiel auf der 230 Volt-Seite
eines Gerätes, an den Anschlusspunkten zwischen dem Außenleiter (L) und dem
Neutralleiter (N) ansteht. Das Gleiche gilt für die Längsspannungsfestigkeit, die an einem
elektronischen Gerät auf der 230-Volt-Seite zwischen den Anschlusspunkten des Außenleiters
(L) und Erde (PE) sowie dem Neutralleiter (N) und der Erde (PE) vorhanden ist.
Die in Bild 2 gezeigte Überspannungs-Schutzeinrichtung begrenzt die Querspannung mit
zwei in Reihe geschalteten Varistoren. Für die Begrenzung der Längsspannungen wird ein
Gasableiter eingesetzt (Bild 3).
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Symmetrische eingekoppelte Stoßspannungen (Querspannungen) werden von den beiden Varistoren entsprechend den auftretenden
elektrischen Parametern der Überspannungsimpulse auf Werte begrenzt, die zwischen 1300
Volt und 2000 Volt liegen. Fließt nur ein geringer Stoßstrom von zum Beispiel 50 Ampere
mit der Wellenform 8/20 Mikrosekunden über die Varistoren - den ein sehr weit entfernter
Blitzeinschlag verursachen kann - so beträgt die Spannungsbegrenzung dieses Ableiters 1300
Volt. Bei einem Stoßstrom von 4500 Ampere mit der gleichen Wellenform ist die Grenze des
Stromableitvermögens der Varistoren erreicht, bei der die Spannungsbegrenzung auf über
2000 Volt ansteigt. Erfahrungsgemäß kann die Querspannungsfestigkeit eines nicht EMVkonformen
elektronischen Gerätes auch weit unter 1300 Volt liegen. In diesem Fall
(Querspannungsfestigkeit unter 1300 V) wird das Gerät auch von diesem
Netzsteckdosenadapter nicht ausreichend geschützt, da die Spannungsbegrenzung selbst bei
dem kleinen 50-A-Stoßstrom nicht unter 1300 Volt liegt. Fließt ein Stoßstrom von 4500
Ampere über die Varistoren, müsste die Spannungsfestigkeit des zu schützenden Gerätes
deutlich über 2000 Volt liegen. Vor dem Inkrafttreten des EMV-Gesetzes kamen in PCs
häufig Schaltnetzteile zum Einsatz, deren Querspannungsfestigkeit nur bei etwa 700 Volt lag.
Ein Überspannungsableiter, der eine zwischen L und N auftretende Stoßspannung nur auf
1000 Volt beziehungsweise auf 1300 Volt begrenzt, kann ein Schaltnetzteil oder ein Gerät mit
einer derart geringen Spannungsfestigkeit nicht schützen.

Bild 3. Innenschaltung des Überspannungs-Schutzadapters aus Bild 2
Buch-Tipp zur Blitzschutz-Praxis
Seit 1986 befasst sich der Autor Hans-Joachim Geist beruflich wie privat sehr intensiv mit der
Problematik des Blitz- und Überspannungsschutzes in Theorie und Praxis. Wie ein Gebäude
und die darin enthaltenen Geräte auch vor den harten Belastungen, die ein direkter Blitzeinschlag
verursacht, wirkungsvoll und wirtschaftlich geschützt werden kann, erklärt er in seinem
Fachbuch "Blitzschutz, Realisierbarkeit und Grenzen". Vorgestellt werden unter
anderem einfache und wirkungsvolle Überspannungs-Schutzmaßnahmen, die ohne großen
Aufwand realisierbar sind. Der Autor legt besonderen Wert auf die klare und detaillierte
Beschreibung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von verschiedenen Schutzmaßnahmen
und zeigt auch unter Berücksichtigung des EMV-Gesetzes deutlich die Funktionsfähigkeit
und Grenzen der "modernen" Blitzschutztechnik auf.
Blitzschutz, Realisierbarkeit und Grenzen
von Hans-Joachim Geist, Elektor-Verlag, Aachen,
1. Auflage 2002, 384 Seiten,
Preis 34,80 €, ISBN 3-89576-125-7
Auch direkt zu bestellen über die Elektor-Homepage www.elektor.de
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Artikel: Überspannungs-Zwischenstecker
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